EU-Handelspolitik und multiregionale Freihandelsabkommen

Spätestens seit den Verhandlungen zwischen der EU und den USA über ein Transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft (Transatlantic Trade and Investment Partnership – TTIP) ist die EU-Handelspolitik in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses geraten. Ein wesentlicher Grund dafür ist die umfassende Agenda der sog. Freihandelsabkommen der neuen Generation und die damit einhergehenden  möglichen Auswirkungen von Handelspolitik  in sozialer, ökonomischer und ökologischer Hinsicht. Umfassend konzipiert beinhalten die Freihandelsabkommen der ‚neuen Generation‘ eine Fülle an Themen und Bereichen, einschließlich der Liberalisierung von Dienstleistungen und Investitionen, des öffentlichen Beschaffungswesens und der Zusammenarbeit in allen relevanten Handelsregulierungen. Sie haben zum Ziel, sogenannte überflüssige Beschränkungen abzubauen oder unterschiedliche Regelungen zwischen EU und ihren Handelspartnern zu harmonisieren. Letzteres betrifft viele sensible Bereiche wie beispielsweise Gesundheitsstandards, Konsumentenschutzbestimmungen, Lebensmittelgesetze oder Sozial- und Umweltstandards.


Das Projekt hinterfragt Vor- und Nachteile des geplanten Freihandelsabkommen TTIP zwischen EU-USA. Die Europäische Kommission prognostiziert den durch TTIP bewirkten Einkommenseffekt für die Wirtschaft der EU auf 120 Mrd €, der USA auf 90 Mrd € und für die anderen Regionen am Weltmarkt mit 100 Mrd €. Die ÖFSE unterzog diese Ergebnisse und die ihnen zugrunde liegenden methodischen  Herangehensweisen einer kritischen Bewertung. Zusätzlich wurde dabei explizit auf die Berücksichtigung von Themenbereichen geachtet, die allgemein bei Folgenabschätzungen von Handelsabkommen vernachlässigt werden, aber aus entwicklungs- und wirtschaftspolitischer Sicht wichtig sind. Dazu zählen makroökonomische Anpassungskosten, soziale Kosten infolge  regulatorischer Veränderungen und die Auswirkungen für Drittstaaten, insbesondere  Entwicklungsländer. Abgesehen davon werden Erfahrungen mit Handelsliberalisierungen in der Vergangenheit, insbesondere mit dem North American Free Trade Agreement (NAFTA), dargestellt.

Projekt ÖFSE Global Trade Model


In der Folge hat die ÖFSE mit Unterstützung der Hans-Böckler-Stiftung ein alternatives Modell zur Abschätzung der Effekte von Handelsliberalisierung entwickelt. Beim ‚ÖFSE Global Trade Model‘ handelt es sich um ein strukturalistisches Computable General Equilibrium (CGE) Modell, dessen Wirkungskette über die aggregierte Nachfrage gesteuert wird. Im Gegensatz zu herkömmlichen Modellen können konkrete Aussagen über Beschäftigung, makro-ökonomische Gleichgewichte und Ungleichheit getroffen werden. Eine erste Anwendung des Modells war die Simulation der Effekte von TTIP mit 11 Regionen und 20 Sektoren. Mehr dazu kann im ÖFSE-Working Paper 57 “Modelling the impacts of trade on employment and development: A structuralist CGE-model for the analysis of TTIP and other trade agreements” von Werner Raza (ÖFSE), Lance Taylor (New School), Bernhard Tröster (ÖFSE), Rudi von Arnim (University of Utah), erschienen im April 2016, nachgelesen werden.

International Conference

4 – 6 February 2016
„EU Trade Policy at the Crossroads: between Economic Liberalism and Democratic Challenges”
C3-Centre for International Development, Sensengasse 3, 1090 Vienna

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Conference Documentation

Thema: Auswirkungen der EU-Handelsagenda auf Entwicklungsländer


Ein wichtiger Punkt im Zusammenhang von EU-Freihandelsabkommen und Entwicklung sind die Economic Partnership Agreements (EPAs) mit den AKP Staaten. Weitere Forschungsprojekte der ÖFSE zu diesem Thema sind geplant.  

Ansprechperson zum Thema:

Werner Raza

Dr. Werner Raza
Leiter der ÖFSE
Tel.: +43 1 317 40 10 – 101  
E-Mail: w.raza@oefse.at

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Publikationen zum Thema: