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Zwischen Veränderung und Stillstand. Die Sustainable Development Goals aus einer Global Governance Perspektive.

Iris Blickling

Wien, Mai 2017 | 978-3-902906-23-6

Die Sustainable Development Goals (SDGs) sind seit September 2015 der aktuelle, internationale Bezugsrahmen für die Ausrichtung globaler Politik, der viele verschiedene Politikbereiche sowohl im  globalen Süden als auch in den Industrieländern anspricht. Die konkrete Umsetzung der SDGs ist daher ein aktuelles Thema, das derzeit nicht nur den entwicklungspolitischen Diskurs beeinflusst, sondern den Beitrag vieler Politikbereiche für globale Entwicklung thematisiert.

Die Arbeit von Iris Blickling verdient besondere Aufmerksamkeit, nicht nur aufgrund der Aktualität sondern vor allem im Hinblick auf den Ansatz, mit dem sie sich dem komplexen Thema nähert. Die Autorin versucht im ersten Hauptteil ihrer Arbeit eine umfassendere Strategie zu erarbeiten, mit der eine zumindest teilweise Umsetzung der sehr ambitionierten Zielsetzungen möglich wird.

Iris Blickling formuliert drei zentrale Forschungsfragen in ihrer Arbeit: i) „Wird eine Auslagerung entwicklungspolitischer Strategien auf eine rein globale Ebene angestrebt oder bleibt das Konzept von bi- und multilateraler Entwicklungspolitik unangetastet?“, ii) „Zeigen die SDGs ein verändertes Verständnis von Entwicklungspolitik?“ und iii) „Spiegeln sich zentrale Ansätze von Global Governance Theorien in der deutschen Implementierungsstrategie der SDGs wieder?“

Als Analysehintergrund wählt sie Erklärungsansätze der – vorwiegend deutschsprachigen – Global Governance Debatte, deren Bedeutung sie für die Umsetzung der SDGs in einem eigenen Kapitel darstellt und analysiert. Als Kernelemente des Global Governance Diskurses werden „Internationale  Kooperation“, der „Nationalstaat“, „Internationale Organisationen“ sowie „Akteure der  Zivilgesellschaft“ beschrieben. Darauf aufbauend setzt sich die Autorin mit vier Problembereichen auseinander, die die Umsetzung der SDGs wesentlich bestimmen.

Diese sind: „ein globaler Ordnungsrahmen“, „Instrumente zur Lösung globaler Probleme“, „Globale Kooperationskultur“ und „Reorganisation nationaler Politiken“. Sie diskutiert die Möglichkeiten der Umsetzung eines Global Governance Ansatzes für den Bereich der   Entwicklungspolitik und kommt zum Ergebnis, dass „die nachhaltigen Entwicklungsziele zwar global und universell angelegt sind, jedoch dennoch das Risiko besteht, dass die einzelnen Länder sich neuerlich nur auf jene Bereiche  konzentrieren, in denen sie bereits in der Vergangenheit Leistungen erbracht haben. Es darf jedoch keinesfalls das Ziel sein, alte Strategien einfach in ein neues Gewand zu hüllen und sie für die neue Agenda ident zu übernehmen.“ Diesem theoretischen Hauptkapitel folgt ein erstes Zwischenergebnis, mit dem die Umsetzungsmöglichkeiten der SDGs auf der Grundlage von Global Governance formuliert werden.

Im zweiten Hauptteil der Arbeit analysiert sie die in Deutschland formulierten Umsetzungsstrategien der SDGs mit Hilfe der explizierenden Inhaltsanalyse. Deutschland wählte sie vor allem deshalb aus, da Deutschland in der Umsetzung besonders weit fortgeschritten ist. In ihrer Conclusio stellt sie kritisch aber durchaus positiv fest, dass die SDGs ein verändertes Verständnis der Entwicklungspolitik nach sich ziehen, wobei die nationale Implementierung aktuell im Vordergrund steht. Sie hält fest, dass sich durch die Formulierung der SDGs die Entwicklungspolitik „von der Ideen- und Innovationslosigkeit der letzten Jahrzehnte gelöst hat, den Schritt zur großen Veränderung in allen betroffenen Bereichen jedoch dennoch verpasst hat.“

Die Arbeit bietet eine theoretisch sehr gut fundierte Einbettung der SDGs und ermöglicht damit eine Beurteilung der verschiedenen nationalen Strategiepapiere und Programme zur Umsetzung der SDGs.

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