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Auf der Suche nach Verantwortung in der journalistischen Ethik: Grenzen und Potenziale von Handlungsmaximen bei der medialen Repräsentation des globalen Südens – am Beispiel „Hunger“

Jana Donat

Wien, Dezember 2018 | 978-3-902906-28-1

Mit der vorliegenden Masterarbeit wird von Jana Donat das Thema der medialen Konstruktion des globalen Südens aus der Perspektive journalistischen Handelns untersucht. Die Arbeit unterscheidet sich bereits im Ansatz wesentlich von den herkömmlichen quantitativen oder qualitativen Inhaltsanalysen von Massenmedien, bei denen der mediale Beitrag zu den dominanten Diskursen über den globalen Süden erfasst wird.

Die Autorin geht in ihrer Arbeit vielmehr der Frage nach, welche berufsethischen Grundsätze JournalistInnen bei ihrer Arbeit verwenden und wie sie ihr journalistisches Handeln individuell rechtfertigen können. Mit dem Titel Auf der Suche nach Verantwortung in der journalistischen Ethik: Grenzen und Potenziale von Handlungsmaximen bei der medialen Repräsentation des globalen Südens – am Beispiel „Hunger.“ spricht sie bereits an, dass es so etwas wie „entwicklungsspezifische“ Leitwerte für journalistisches Handeln gibt, die von den JournalistInnen eigenverantwortlich umgesetzt werden müssen, wobei sie allerdings auch einer Medienlogik unterworfen sind. Jana Donat erarbeitet mit Hilfe von Gesprächen mit AuslandskorrespondentInnen im globalen Süden sowie mit JournalistInnen mit einem „Entwicklungsfokus“ in Deutschland verschiedene Analyseebenen sowie „entwicklungsspezifische Leitwerte“. Dies gelingt ihr durch die Einbettung und Verknüpfung ihrer empirischen Ergebnisse mit verschiedenen theoretischen Ansätzen und Perspektiven aus unterschiedlichen Disziplinen (postkoloniale Ansätze aus der kritischen Entwicklungsforschung und medienethische Ansätze aus der Medienwissenschaft) und mit individuellen, globalen und systemtheoretischen Verantwortungskriterien. Sie kann unter anderem zeigen, dass universelle ethische Ansprüche an JournalistInnen mit einem Entwicklungsfokus nicht mit den lebensweltlichen und individuellen Kontexten der JournalistInnen übereinstimmen und ein Medienethikentwurf eine „kollektive Verantwortung“ darstellt. Eine Generalisierung der Ergebnisse aus dem Bereich der „Hungerberichterstattung“ im globalen Süden auf die allgemeine Berichterstattung „über“ den globalen Süden ist zwar denkbar, würde aber eine Erweiterung über den Bereich der Auslandsberichterstattung erfordern. Die generierten Leitwerte bilden aber eine hervorragende Grundlage für weitere transdisziplinäre Forschung.

Die Masterarbeit ist ein hervorragendes Beispiel einer transdisziplinären Vorgehensweise, mit der neue Ansätze und Perspektiven sowohl in der Medienforschung als auch in der Entwicklungsforschung erreicht wurden.

Wir freuen uns daher, diese spannende Masterarbeit in der Reihe ÖFSE-Forum publizieren zu können.

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