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Globale Gerechtigkeit im Kontext entwicklungspolitischer Strategien und Programme

Maria Elßer

Wien, Februar 2020 | 978-3-902906-38-0

Gerechtigkeit ist ein entwicklungspolitisches Ziel, das über die langen Jahre der Fokussierung auf Wirtschaftswachstum in der Ära neoliberaler Globalisierung in den Hintergrund getreten war. Erst mit der Verabschiedung der UN-Agenda „Transforming our World: The 2030 Agenda for Sustainable Development“ im Jahr 2015 und der Formulierung der 17 Sustainable Development Goals (SDGs) erlebt der Begriff eine gewisse Renaissance. Tatsächlich enthält erst die Agenda 2030, anders als viele ihrer Vorläuferinnen, ein explizit auf die Verringerung von Ungleichheit ausgerichtetes Ziel (SDG 10).

Über die Wahrnehmung und Benennung von Ungleichheiten und Asymmetrien auf wirtschaftlicher, sozialer und politischer Ebene kann eine konzeptionelle Brücke zu dem komplexeren Begriff der Gerechtigkeit geschlagen werden. Freilich ist hier die internationale Entwicklungsdiskussion noch stark von nachholenden Strategien zur Lösung globaler Ungleichheitsfragen geprägt, während ein vom Begriff Gerechtigkeit inspirierter Diskurs sehr viel stärker auf polit- und sozioökonomische Ursachen der Asymmetrien und dementsprechend auf neue Gesellschaftsentwürfe eingehen müsste.

Es gibt also noch viel zu tun, um die Frage nach globaler Gerechtigkeit in den Rang zu heben, den sie verdient. Vor diesem Hintergrund widmet sich die hier vorliegende Masterarbeit von Maria Elßer mit dem Titel „Globale Gerechtigkeit im Kontext entwicklungspolitischer Strategien und Programme“ einem höchst relevanten und aktuellen Thema. Sie setzt sich mit drei verschiedenen Konzeptionen von Gerechtigkeit und globaler Armut auseinander, nämlich mit dem moralischen Konzept von Peter Singer, mit dem auf (globale) institutionelle Veränderungen abzielenden Ansatz von Thomas Pogge und mit dem Modell der sozialen Verbundenheit von Marion Young. Diese unterschiedlichen Konzeptionen vergleicht die Autorin miteinander und setzt sie in Beziehung zueinander.

Die Autorin stellt sich nun die Frage, inwieweit konkrete entwicklungspolitische Strategien auf globale Gerechtigkeit ausgerichtet sind. Sie analysiert hierzu Grundlagendokumente entwicklungspolitischer Akteure von der globalen (UNO) über die regionale (EU) und nationale (Österreich) bis hin zur lokalen (Land Steiermark) Ebene. Ihr wenig überraschendes Fazit, dass nach wie vor, vor allem in der konkreten Umsetzung, Handlungsbedarf besteht, darf auch als Aufforderung verstanden werden, das wichtige Thema globale Gerechtigkeit stärker in den Fokus der öffentlichen Diskussion um Entwicklung zu rücken. Die Arbeit von Maria Elßer stellt einen wichtigen und willkommenen Beitrag dazu dar.

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