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Partizipation und Stimme

Reflexionen aus der personellen EZA

Sophie Elisabeth Deuer

Wien, Juli 2022 | 978-3-902906-64-9

Die Masterarbeit „Partizipation und Stimme“ Reflexionen aus der personellen EZA von Sophie Deuer thematisiert „die anhaltende Diskrepanz zwischen der Art der Partizipation, die theoretische Ansätze in den letzten Jahren gefordert haben, und der Art und Weise wie dieses Konzept in der Praxis der Projektarbeit umgesetzt wird“. Die Relevanz des Themas für die Entwicklungsforschung ergibt sich aus den Ansprüchen der „Entwicklungshelfer*innen“ aus dem Norden und den konkreten institutionellen Rahmenbedingungen und organisatorischen Möglichkeiten bei der Umsetzung in der Projektarbeit. Zwar hat in den vergangenen 30 Jahren auch in Österreich die Bedeutung von „Entwicklungshelfer*innen“ innerhalb aller Instrumente der Entwicklungszusammenarbeit (EZA) abgenommen, sie prägen aber immer noch die Vorstellung und die allgemeine Erzählung von Entwicklungszusammenarbeit, in dem man den Personaleinsatz mit dem persönlichen Engagement vor Ort, der unmittelbaren Hilfe, mit Bildung und Ausbildung und mit Wissenstransfer verknüpft. Vielfach werden Personaleinsätze auch als Lerneinsätze definiert, die den Partner*innen im Globalen Süden einerseits gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen und andererseits eine „Stimme“ verleihen.

Personaleinsätze sind in einem gewissen Sinn nach wie vor Projektionsflächen für die Möglichkeit gesellschaftlicher Interventionen und Transformationen. Die Schlagworte Partizipation und Stimme haben auch zur zentralen Frage der Arbeit geführt: „Wie verhandeln Menschen, die im EZA-Bereich der personellen EZA tätig sind/waren, berufsethische Ideale von Partizipation und Stimme in ihrer praktischen Tätigkeit?“ Die Autorin hat daher mit fünf Rückkehrer*innen der Organisation HORIZONT3000, die in Österreich seit vielen Jahren Einsatzprogramme durchführt, Gespräche geführt, die dann analysiert und ausgewertet wurden. Die Auswahl der Gesprächspartner*innen zeigt, dass die Erkenntnisse aus den Oral Histories hochgradig partikular waren und nur im jeweiligen Kontext verstanden werden können. Vor allem in der personellen EZA werden Arbeitsbündnisse geschaffen, „die Fragen von Zugehörigkeit und Einbettung aufwerfen, und die am Ende immer auch darauf abzielen, eigene Handlungsspielräume zu nutzen“.

Die vorliegende Arbeit leistet einen wertvollen Beitrag zur kritischen und differenzierten Reflexion der Praxis der österreichischen personellen Entwicklungszusammenarbeit und empfiehlt, das Verhältnis zwischen Theorie und Praxis in der personellen EZA vielmehr als produktive Diskrepanz, denn als trennende Kluft zu sehen.

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