Entwicklungs-
grundlagen
  Bildung
  Gesundheit
und Umwelt
  Wirtschaft
Außenhandel
und Verschuldung
  Nationale Entwicklungspolitik
   
   
 
   
   
   
   
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Die Wirtschaft wird durch die traditionelle Selbstversorgungswirtschaft und den staatlich dominierten, zunehmend privatisierten Aktivitäten des Staates im Industrie- und Dienstleistungsbereich gekennzeichnet. Zwischen 1961 und 1981 wuchs Bhutans Wirtschaft um schätzungsweise 2% jährlich. Zwischen 1985 und 1995 beschleunigte sich das Wirtschaftswachstum auf durchschnittlich 6% jährlich, wobei dies vor allem auf die Investitionstätigkeiten des Staates insbesondere im Sektor Energie, aber auch u. a. in den Bereichen Ausbau des Abwassersystems, des Telekommunikationsnetzes zurückzuführen war. In den letzten Jahren weist Bhutan ein stabiles Wirtschaftswachstum auf, das 2016 bei 6,2% lag.

Für die Bevölkerung Bhutans ist der bedeutendste Wirtschaftsbereich die Landwirtschaft, in der rund 92,7% der ökonomisch aktiven Bevölkerung tätig sind. Allerdings sind die Verdienstmöglichkeiten gering. Der Agrarsektor erbrachte 2013 16,2 % des BIP; 56,3 % der Beschäftigten waren in der Land- und Forstwirtschaft tätig . Auch im Hinblick auf eine Verbesserung der Nahrungsmittelversorgung unterstützte die Regierung in zunehmendem Ausmaß nun auch cash crop Anbau. Zu den landwirtschaftlichen Exportprodukten zählen Reis, Mais, Orangen, Kartoffeln, andere Wurzeln und Knollen, Äpfel, Zuckerrohr, Kuhmilch, Heilpflanzen, etc. Zudem soll die Produktion im Landwirtschaftssektor diversifiziert und durch den Ausbau des Straßennetzes an neue Märkte angeschlossen werden und dadurch angekurbelt werden. Vordringlich ist die Entwicklung ländlicher Räume durch Straßenbau, Elektrifizierung, verbesserte Anbaumethoden, Intensivierung der Produktion sowie Förderung von Bildungswesen und Gesundheitsversorgung. Von wirtschaftlicher Bedeutung ist außerdem die Forstwirtschaft.

Der Sektor der verarbeitenden Industrie trug 2013 trotz beachtlicher Wachstumsraten (durchschnittliches jährliches Wachstum 2006-2012: 12,6 %) nur 8,5 % zum BIP bei und stellte lediglich 6,1 % der Beschäftigten . Die wichtigsten Produkte der verarbeitenden Industrie sind Eisenlegierungen, Zement und Kalziumkarbid. Kleinunternehmen erzeugen u. a. Textilien, Seife, Streichhölzer, Kerzen und Teppiche. Der Schwerpunkt der Industrie liegt im Süden an der indischen Grenze. Dort gibt es mehrere Industrieparks. 2011 wurde der  Thimphu TechPark  eröffnet . Im nationalen Entwicklungsplan wurde die verarbeitende Industrie neben dem Handel als ein Entwicklungsschwerpunkt festgelegt. Die meisten größeren Industriebetriebe sind staatliche Gründungen und sollen auf Wunsch der Regierung zunehmend privatisiert werden. Im Infrastrukturbereich ist vor allem die Nutzung der Wasserkraft ein entscheidender Entwicklungsfaktor. Mit der Fertigstellung weiterer Wasserkraftwerke verspricht man sich eine beträchtliche Steigerung der Einnahmen. Die Regierung Bhutans entschied daher, den Wasserkraftsektor zum Wirtschaftsmotor für das gesamte Land zu machen.

Bereits 2001 wurden 99% der Stromversorgung des Landes durch Wasserkraft gedeckt. Neben 23 Kleinwasserkraftwerken und etlichen Dieselgeneratoren laufen fünf große Wasserkraftwerke . Tala (installierte Kapazität 1.020 MW), Chhukha (336 MW), Basochhu I und II (24 bzw. 40 MW), Kurichhu (60 MW). Folgende Wasserkraftwerke werden z.  Z. errichtet (geplante Fertigstellung 2017-2022): Punatsangchu I und II (1.200 bzw. 1.000 MW), Mangdechhu (720 MW), Kuri-Gongri (3.400 MW), Wangchu (570 MW), Kholongchu (600 MW), Chamkharchhu (770 MW), Dagachhu (126 MW), Nikachhu (118 MW). Mit der Unterstützung Österreichs konnte das Wasserkraftwerks Dagachhu gebaut werden. W ichtigstes Exportgut ist Strom, der ausschließlich nach Indien geliefert wird.

Der Dienstleistungssektor trug 2015 39,4% zum BIP bei (1980: 31%). Der Tourismus ist volkswirtschaftlich ein kleinerer, aber stetig wachsender Faktor, der dem Land wichtige Devisen erwirtschaftet. 2007 brachten Touristen dem Land Einnahmen in der Höhe von 30 Mio. US$. 2013 zählte man 44.241 Touristenankünfte, die Einnahmen aus dem Tourismus erreichten 63,5 Mio. US$. Bhutan entschied sich bewusst gegen den Massentourismus und setzt auf einen hochpreisigen Tourismus mit geringen Besucherzahlen und hohen Einnahmen (ca. 200-250 US$ pro Tag und Tourist). Es begründet dies mit dem Wunsch nach Bewahrung seiner Umwelt, seiner Kultur und Tradition. Der Tourismus wurde 1992 für den privaten Sektor geöffnet. 2008 richtete die Regierung einen autonomen Tourismus Ausschusses ein, mit dem Ziel auch im Zusammenhang der 100-Jahr Feier der Monarchie den Tourismus anzukurbeln.

Literatur zur Wirtschaftspolitik in Bhutan