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Partizipation und Empowerment

Legitimationsrhetorik und Veränderungspotential entwicklungspolitischer Schlüsselbegriffe

Dieter Rachbauer

Wien, December 2010 | 978-3-9502964-5-2

Partizipation und Empowerment zählen zu den "Zauberworten" entwicklungspolitischer Diskurse. Ohne die oftmalige Verwendung der beiden Begriffe in Strategiepapieren, Leitlinien oder Projektanträgen positioniert man sich unwillkürlich im Abseits der Entwicklungszusammenarbeit und dokumentiert damit nur all zu deutlich, dass die Grundprinzipen der neuen Aid-Architektur noch nicht ausreichend internalisiert sind, um eine Intervention der Entwicklungszusammenarbeit möglichst wirksam und nachhaltig zu gestalten.

Vor diesem entwicklungspolitisch harmonisierten mainstream-Hintergrund fasziniert die vorliegende Forschungsarbeit, die der permanent größer werdenden Kluft zwischen einer theoretischen Argumentationslogik und der in der Praxis möglichen Umsetzung von Partizipation und Empowerment am Beispiel eines konkreten Projektes der ländlichen Entwicklung in Nepal nachgeht. Da der Autor Dieter Rachbauer gemeinsam mit einem lokalen Team über einen Zeitraum von sechs Jahren für die Umsetzung dieses Projektes verantwortlich war, ist die Arbeit nicht das Ergebnis einer zeitlich begrenzten kritischen Analyse eines besserwissenden Forschers, sondern eine kritische Reflexion der eigenen Arbeit, die angereichert durch eine umfangreiche Aufarbeitung theoretischer Grundlagen einige selbstverständlich scheinende Prämissen in Frage stellt.

Die aus der empirischen Analyse des Projektes gewonnenen Erkenntnisse sind nicht nur von großer praktischer Relevanz, sondern zeigen deutlich, dass die Legitimationsrhetorik im Kontext der Umsetzung von Entwicklungsprojekten und -programmen vielfach zu kurz greift. Versteht man Partizipation und Empowerment als alternative Entwicklungsstrategie, dann werden dadurch Räume geschaffen, "in denen lokal angepaßte Innovationen durch die Auseinandersetzung mit neuen Ideen und neuen Möglichkeiten entstehen können". Dieses Veränderungspotential steht aber sehr oft im Widerspruch zu den tatsächlich erwünschten oder aber auch realpolitisch erreichbaren Wirkungen von Entwicklungszusammenarbeit.

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