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Soziale Sicherheit zwischen Staat, Familie und Selbstorganisation

Eine Untersuchung des ecuadorianischen Sozialgeldtransfers ‚Bono de Desarrollo Humano' im Kontext von nichtstaatlichen sozialen Sicherungsformen in der Provinz Orellana

Wien, May 2011 | 978-3-9503182-0-3

Seit einigen Jahren ist das Thema soziale Sicherheit und Sozialpolitik in Zusammenhang mit Armutsminderung wieder verstärkt auf der Agenda entwicklungspolitischer Debatten. Erfahrungen zeigen, dass Sozialprogramme, die auf die Linderung der negativen Effekte von Strukturanpassungsmaßnahmen für bestimmte (arme) Bevölkerungsgruppen abzielen, nicht nachhaltig zu Armutsminderung beitragen. Um Armut nachhaltig zu reduzieren ist vielmehr eine Kombination aus einer sozial ausgewogenen Wirtschaftsentwicklung, die produktive Kapazitäten, Arbeitsplätze und allgemeinen Wohlstand erhöht, mit begleitenden staatlichen Sozial- und Umverteilungspolitiken nötig.

Aus den Erfahrungen von diesbezüglich erfolgreichen Ländern können Lektionen in Hinblick auf die Umsetzung wirksamer Sozialpolitik gezogen werden: Im Gegensatz zu Targeting-Ansätzen ist eine wesentliche Voraussetzung für nachhaltige Armutsminderung, dass Sozialpolitik breitere ökonomische, soziale und politische Zielsetzungen verfolgt. Ein Ansatz, der das Recht auf soziale Sicherheit für alle ins Zentrum stellt, erhöht die gesellschaftliche Solidarität sowie den sozialen Zusammenhalt verschiedener Gesellschaftsgruppen. Die Erfahrung europäischer Länder zeigt auch, dass die Einführung von umfassenden Sozialpolitiken nicht von der Erreichung eines bestimmten Einkommensniveaus abhängen muss, sondern dass die Reihenfolge durchaus umgekehrt sein kann: dass die Einführung von Politiken, die soziale Sicherheit erhöhen, Voraussetzung für eine nachhaltige Wirtschaftsentwicklung sein kann. Die Herausforderung für Entwicklungsländer und entwicklungspolitische Akteure ist, von erfolgreichen Beispielen heutiger Industrie- und Schwellenländer zu lernen, ohne dabei den Fehler zu begehen, die Ansätze ohne die Berücksichtigung der lokalen Kontexte zu übertragen.

Eine differenzierte Beobachtung und Analyse von vorhandenen formellen und informellen Systemen sozialer Sicherheit sowie von kulturellen, politischen und sozialen Voraussetzungen für deren Weiterentwicklung ist somit konstitutiv für die Implementierung einer adäquaten Sozialpolitik die zu einer nachhaltigen Armutsminderung beiträgt. Die vorliegende Arbeit von Martina Bergthaller leistet genau diesen Beitrag, indem sie anhand der Provinz Orellana in Ecuador zeigt, wie Sozialprogramme aufgrund fehlender Abstimmung auf lokale Gegebenheiten an ihre Grenzen stoßen, und wie staatliche und informelle Formen sozialer Sicherheit zusammenspielen. Aufbauend auf dieser Analyse lassen sich Verbesserungsvorschläge und Lektionen für Ecuador und andere Länder ableiten.

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