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Vom Kolonialdiskurs zum Entwicklungsdispositiv: Ghana und Südkorea im entwicklungsstrategischen Vergleich

Marjan Baier

Wien, June 2010 | 978-3-9502964-0-2

Südkorea wird vor allem in wissenschaftspopulistischen Medien immer noch als Musterbeispiel für die Machbarkeit von Entwicklung angeführt, da es den asiatischen Weg als Überholspur zum ökonomischen Erfolg repräsentiert. Der Vergleich zu afrikanischen Staaten wird immer dann bemüht, wenn es einerseits gilt, Erfolg sichtbar zu machen und andererseits auf politische und soziokulturelle Defizite in Afrika hinzuweisen, die angeblich Entwicklung behindern. Untermauert werden diese Stereotypen meist noch mit dem Vergleich der ökonomischen Situation in Südkorea und in afrikanischen Staaten in den 1950er Jahren. In der Darstellung afrikanischer Ökonomien und ihrer Position im globalen Kontext taucht der Vergleich zwischen Südkorea und Ghana in den 1950er Jahren gelegentlich auf, wobei beide Staaten eine vergleichbare Charakteristik im Bereich der Ökonomie und der Humanressourcen aufweisen. Marjan Baier hat diese Behauptung aufgegriffen und die verschiedenen Entwicklungswege in ihrer historischen und globalen Kontextualisierung dargestellt.

Marjan Baier versteht in Bezug auf Foucault Entwicklung als Diskurs und erarbeitet in Anlehnung an Aram Ziai neuen Kriterien von Entwicklung, die seine historische Analyse leiten. Entwicklung wird dabei als Ziel und der Weg dorthin als steuerbarer Prozess verstanden. Diese Sichtweise ermöglicht einen klaren Blick auf die Interessen und Machtverhältnisse, die den jeweiligen Diskurs steuerten. Der Vergleich der unterschiedlichen "Entwicklungsdispositive" zeigt deutlich, dass ausgehend von der kolonialen Periode in beiden Ländern sehr unterschiedliche Bedingungen geherrscht haben und die Regierenden unterschiedliche Strategien verfolgt haben. Weiters waren nicht nur unterschiedliche politische und ökonomische Rahmenbedingungen für die verschiedenen Entwicklungen maßgeblich, sondern auch die externen Projektionen und damit verbundenen finanziellen Hilfsleistungen.

Mit dieser Diplomarbeit legt der Autor eine sehr interessante, methodisch und theoretisch sehr gut fundierte historische Vergleichsstudie vor, mit der die Ursachen für die unterschiedlichen Entwicklungen Ghanas und Südkorea seit den 1950er Jahren differenziert erklärt werden können.

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