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Zurück zur ÜbersichtBriefing Paper 9

Aktuelle Trends und Strategien der Entwicklungszusammenarbeit im Sektor berufliche Bildung und Skills Development

Mit einem Überblick über ausgewählte Geberorganisationen

Margarita Langthaler

Wien, Juni 2013

Berufliche Bildung in der Entwicklungszusammenarbeit (EZA) erlebt derzeit nach einer Phase relativer Vernachlässigung eine Renaissance. Dies hängt einerseits mit dem weltweiten Anstieg der Jugendarbeitslosigkeit, andererseits mit der Erkenntnis, dass Primarschulförderung als Bildungsstrategie zu kurz greift und drittens mit der Schwerpunktsetzung auf Privatsektorentwicklung zusammen. Einfluss hat auch der stark anwachsende globale (Berufs) Bildungsmarkt, der Schwellen- und Entwicklungsländer zu einem für viele Bildungsanbieter interessanten Absatzgebiet macht.

Systeme und Strukturen beruflicher Bildung sind in Entwicklungsländern in höherem Maße von Diversität gekennzeichnet als das allgemeinbildende Schulwesen. Die Bildungstraditionen der ehemaligen Kolonialmächte sind nach wie vor prägend. Gemeinsamkeiten werden meist in einer Reihe von Mängeln gesehen, v. a. geringer Praxisbezug und überholte Lehrpläne, mangelnde Anbindung an den Bedarf der Wirtschaft, geringe Beschäftigungswirksamkeit und institutionelle Fragmentierung.

Der wesentliche internationale Trend in der beruflichen Bildung ist die Orientierung am unmittelbaren Bedarf der Wirtschaft, der sich in den Konzepten des competency-based training (CBT) und den National Qualification Frameworks (NQF) sowie der Dominanz des Kernbegriffs "Skills development" ausdrückt, welcher das traditionelle "technical and vocational education and training (TVET)" ersetzt. Institutionell soll berufliche Bildung aus der Verankerung im formalen Bildungssystem zunehmend herausgelöst, die Bereitstellung flexibilisiert und relevante Akteure außerhalb des Bildungssektors - v. a. des Privatsektors - stärker in Curriculumentwicklung und Standardisierung eingebunden werden.

In der EZA kommen neben dem Trend der Bedarfsanbindung eine verstärke Ausrichtung auf den informellen Sektor, die Orientierung auf spezifische Zielgruppen wie Frauen, Jugendliche, die ländliche Bevölkerung und Menschen mit Behinderungen sowie Themen wie Nachhaltigkeit und Green Economy zum Tragen.

In der wissenschaftlichen Debatte werden die in der EZA kaum hinterfragten internationalen Trends mitunter scharf kritisiert. Zunächst wird die lineare Kausalannahme, dass berufliche Bildung Beschäftigung und Wirtschaftswachstum induziere, grundsätzlich infrage gestellt. Vielmehr sei die Nachfrage der Wirtschaft nach ausgebildeten Arbeitskräften sowie die Existenz adäquater Sozial- und Wirtschaftspolitiken Voraussetzung für das Wirken von beruflicher Bildung im Sinne von Beschäftigung und Armutsminderung. Zudem warnt die kritische Berufsbildungsforschung vor zu hohen Erwartungen in die Anbindung beruflicher Bildung an den unmittelbaren und kurzfristigen Bedarf der Wirtschaft. Diese führe zu einer reduzierten Konzeption beruflicher Bildung, die auf notwendige längerfristig ausgerichtete Wissens- und Kompetenzvermittlung verzichte. Entgegen der Maxime der Vermittlung wandelbarer Skills sei gerade eine solide institutionelle Verankerung beruflicher Bildung mit entsprechenden Lehrplänen, adäquat ausgebildeten Lehrkräften und abgesicherter Durchlässigkeit zum allgemeinen bildenden formalen Bildungswesen zentral, um Qualifikationen von langfristigem Wert schaffen und die Weiterentwicklung von Arbeitsprozessen fördern zu können.

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