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Externe Verschuldung und menschliche Entwicklung in Niedrigeinkommensländern

Erkenntnisse aus einer Panelanalyse

Siegfried Zottel

Wien, Mai 2011 | 978-3-9502964-8-8

Der Zusammenhang zwischen externer Verschuldung und menschlicher Entwicklung ist ein viel diskutiertes Thema in entwicklungspolitischen Kreisen. Dieses Thema ist in letzter Zeit wieder besonders aktuell - einerseits aufgrund der Millenniumsziele, bei denen Verringerung von Armut und Förderung von menschlicher Entwicklung im Zentrum stehen, und andererseits aufgrund internationaler Entschuldungsinitiativen, die seit Ende der 1990er-Jahre umgesetzt werden. In der theoretischen und empirischen Literatur wird vorwiegend auf die negativen Auswirkungen hoher Verschuldung auf Wirtschaftswachstum fokussiert. Im Kern der Diskussion steht dabei, wie sich hohe Schuldenstände auf private Investitionen sowie auf öffentliche Ausgaben auswirken. Vor allem die negativen Auswirkungen von hoher Verschuldung auf Investitionen und Wirtschaftswachstum wird von vielen Analysen empirisch bestätigt.

Wirtschaftswachstum ist ein wesentlicher Bestandteil von und ein Mittel zu menschlicher Entwicklung, aber neben wirtschaftlichen Faktoren sind soziale, politische und kulturelle Aspekte gleichermaßen relevant.

Negative Auswirkungen einer hohen Verschuldung auf Wirtschaftswachstum haben indirekt maßgeblichen Einfluss auf menschliche Entwicklung. Aber darüber hinaus können hohe Schuldenstände und Schuldendienstzahlungen auch direkte Effekte auf menschliche Entwicklung haben: durch die Reduktion von öffentlichen Investitionen in Infrastruktur und öffentliche Güter wie Gesundheit, Bildung, soziale Sicherheit und Armutsbekämpfung, und durch das Fehlen öffentlicher Mittel für breitere entwicklungspolitische Strategien.

Auf diesen Erkenntnissen aufbauend fordern vor allem Nichtregierungsorganisationen sowohl in Entwicklungsländern als auch in Industriestaaten seit Jahrzehnten Entschuldung. Im letzten Jahrzehnt führten diese Bemühungen zu ersten Erfolgen, einige weitreichende Entschuldungsinitiativen für Niedrigeinkommensländer wurden umgesetzt. In diesem Kontext sind Analysen, die die Effekte von hoher Verschuldung auf menschliche Entwicklung analysieren und empirische Evidenz über die wirtschaftlichen und sozialen Auswirkungen von Entschuldungen liefern, äußerst relevant.

Siegfried Zottel hat mit seiner Diplomarbeit dieses Thema aufgegriffen. Nach einer Diskussion des Begriffs menschlicher Entwicklung und der Definition von Indikatoren wird ein Überblick über den theoretischen Zusammenhang und die Wirkungskanäle zwischen hoher externer Verschuldung und Wirtschaftswachstum sowie menschlicher Entwicklung gegeben. Der empirische Teil der Arbeit schätzt den Einfluss von Schuldenindikatoren auf menschliche Entwicklung in 47 Niedrigeinkommensländern mittels einer Panel-Analyse. Die Ergebnisse der Schätzung belegen einen negativen Zusammenhang zwischen externer Verschuldung und menschlicher Entwicklung und liefern damit einen Beleg für die Sinnhaftigkeit von Entschuldung als ein Mittel zur Förderung von Entwicklung.

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