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The Chiefs of Development

Local Development and Local Government in Ghana

Johannes Knierzinger

Wien, Dezember 2010 | 978-3-9502964-4-0

Die neotraditionellen Systeme Ghanas - bestehend aus Chiefs, Queenmothers, Stool Fathers, Elders, Development Chiefs usw. - haben sich seit der Unabhängigkeit grundlegend verändert. Aus VermittlerInnen zwischen der Kolonialregierung und der afrikanischen Bevölkerung wurden oftmals private InteressensvertreterInnen. Das Engagement von neotraditionellen AkteurInnen im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit war und ist daher in diesem Kontext eine willkommene Möglichkeit, den verlorenen politischen Einfluss zu kompensieren. Trotz Kritik an den neotraditionellen Herrschaftsformen in Medien und durch eine kritische Zivilgesellschaft ist die ghanaische Bevölkerung immer noch stark in neotraditionelle Strukturen eingebunden und steht den neotraditionellen AkteurInnen überwiegend positiv gegenüber.

Johannes Knierzinger beschreibt, auf welche Weise neotraditionelle AkteurInnen in die ghanaische Entwicklungszusammenarbeit eingebunden sind bzw. diese mitgestalten. Es wird deutlich, wie diese AkteurInnen mit PolitikerInnen, Geschäftsleuten, NGO-VertreterInnen und RepräsentantInnen der großen Entwicklungsagenturen interagieren bzw. inwiefern sie selbst als solche agieren. Die vom Autor vorgelegten Ergebnisse sind sowohl für internationale AkteurInnen der Entwicklungszusammenarbeit als auch für lokale AkteurInnen von Interesse, da sie die gängige Rationalität von entwicklungspolitischem Handeln in Frage stellen.

Mit dieser Diplomarbeit legt der Autor eine hoch interessante Darstellung und Analyse der Rolle von "Entwicklungsbrokern" und lokalen Autoritäten in Ghana vor. Sowohl methodisch als auch theoretisch - vor allem im Hinblick auf die Kenntnis der historischen und sozialwissenschaftlichen Situation in Ghana - überzeugt der Autor, der sich bewusst abseits des entwicklungspolitischen mainstreams bewegt.

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