Detail Österr. Enwicklungpolitik

Zurück zur Übersicht Österreichische Entwicklungspolitik 2009

Krisen und Entwicklung

ÖFSE (Hrsg.)

Wien, Dezember 2010 | 978-3-9502964-6-4

Was der Soziologe Ulrich Beck in einer weit ausholenden Theorie der "Weltrisikogesellschaft" und der globalisierten Unsicherheit zu verarbeiten versuchte, haben andere Krisen- und Katastrophentheoretiker an einzelnen Gefährdungen, die auch der OECD-Welt erwachsen, zu verdeutlichen versucht. So prognostizierte der Soziologe Harald Welzer aus dem globalen Klimawandel erwachsende interne und internationale "Klimakriege". Andere Konstrukteure von Zukunftsszenarien leiteten aus der weltweiten Verknappung von lebenswichtigen Ressourcen (Energie, Land, Wasser) und von strategischen Rohstoffen Ressourcenkonflikte ab, die auch gewaltsam eskalieren können. In Effekt haschenden Titeln von Büchern und Reportagen war dann von "Ölkriegen", "Wasserkriegen", "Handelskriegen" um Rohstoffe oder sogar von einem "Weltkrieg um Wohlstand" (so Gabor Steingart, der Chefredakteur des "Handelsblattes") die Rede.

Die vorliegende Publikation der ÖFSE greift selektiv einzelne bereits virulente oder drohende Krisen auf und fragt danach, was die internationale Entwicklungszusammenarbeit, die selbst - nicht nur in Österreich, aber besonders in diesem reichen EU-Land - in einer schweren Finanzierungs- und Legitimationskrise steckt, zur Krisenbewältigung beitragen kann. Sie ist gefordert, weil die Entwicklungsländer durch die Wirkungen globaler Systemkrisen besonders verwundbar sind; sie ist zugleich als herkömmliche "Entwicklungshilfe" (ODA) völlig überfordert.

Die in diesem Sammelband versammelten Beiträge legen nahe, dass sie sich als globale Strukturpolitik neu definieren und positionieren muss, um angemessene Antworten auf das Krisengemenge finden zu können. Das wohlverstandene Eigeninteresse, d. h. die politische Vernunft, verbietet ein Weiterwursteln in ausgetretenen Pfaden, weil die "Weltrisikogesellschaft" keine Gesellschaft aus ihren Interdependenzketten ausklammert und von ihren Bumerangeffekten verschont. Diesen unerbittlichen Zusammenhang scheinen manche HaushälterInnen in den OECD-Staaten noch nicht begriffen zu haben.

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