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Finanzierungsformen in der Bildungszusammenarbeit im Kontext von Education for All

Margarita Langthaler

Wien, Juli 2006

Die internationale Initiative Education for All (EFA) ist, gemeinsam mit den UNMillenniumszielen, in den letzten Jahren zu einem maßgeblichen Bezugsrahmen für die internationale Bildungszusammenarbeit geworden. Im breiteren Kontext genereller methodischer Veränderungen in der Entwicklungszusammenarbeit zeigen sich auch in der Bildungszusammenarbeit einige neue Trends, die generell als Verschiebung vom Projektansatz (Förderung von Einzelprojekten) hin zum Programmansatz (Förderung meist sektoral abgrenzbarer ganzheitlicher Programme) zusammengefasst werden können.

Hintergrund dieser Entwicklung, der für das Verständnis der bildungsspezifischen Diskussion unerlässlich ist, ist die Prioritätenverschiebung in der internationalen Entwicklungszusammenarbeit (EZA) auf das Oberziel der Armutsbekämpfung bzw. -minderung seit den 1990er Jahren. Diese führte in der inhaltlichen Ausrichtung zu einer verstärkten Aufmerksamkeit für Basisdienstleistungen wie Gesundheitsversorgung und Grundbildung, die im Sinne der Armutsminderung allen Menschen, insbesondere jedoch armen und marginalisierten Bevölkerungsgruppen, zu Gute kommen sollten. Methodisch zeigt sich in diesem Zusammenhang die Suche nach ganzheitlicheren Formen. Umfassende Armutsbekämpfungsstrategien (PRSPs) wurden zur Grundlage für Schuldenerlässe, Kreditvergabe und die Neugestaltung der bilateralen EZA. Programmansätze wie SWAps und Budgethilfen ersetzen tendenziell die Förderung einzelner Projekte. Verstärkte Koordinierung und Harmonisierung auf Seiten der Geberorganisationen unter dem Oberbegriff der effizienteren EZA sowie größerer Stellenwert für partnerschaftliche Zusammenarbeit und Politikdialog mit den Partnerländern sind ebenfalls wesentliche Elemente der neuorientierten EZA und legen ihrerseits ganzheitliche Ansätze nahe.

Auf inhaltlicher Ebene zeigt sich, wie erwähnt, eine verstärkte Ausrichtung auf den Grundbildungssektor. Die EFA-Initiative erstellt in diesem Zusammenhang einen breiten Aktionsplan und formuliert sechs Ziele (siehe S. 24), deren Umsetzung bis zum Jahr 2015 erreicht werden soll. EFA nahm seinen Anfang auf der Weltbildungskonferenz 1990 in Jomtien, Thailand, ist aber vor allem in der neu formulierten Fassung des Jahres 2000 auf dem Weltbildungsforum in Dakar maßgebend. Das Ziel der Verwirklichung universeller Grundbildung bis zum Jahr 2015 wurde in Dakar zu einer Verpflichtung für die internationale Gemeinschaft und in der Folge zu einem Bezugsrahmen für die multi- und bilaterale Bildungszusammenarbeit (BZA).

Zur Umsetzung dieser Verpflichtung sind in den letzten Jahren in der BZA unterschiedliche Instrumente zur Anwendung gekommen, die sich methodisch vor allem an der oben beschriebenen Verschiebung hin zu ganzheitlichen Programmansätzen orientieren. Die Erörterung der Vor- und Nachteile des jeweiligen Instruments sowie deren Weiterentwicklung und Verbesserung hat in den vergangenen Jahren die internationale Diskussion geprägt.

Das vorliegende Papier versucht zunächst die Fragestellung zu kontextualisieren und geht daher einerseits auf den breiteren Rahmen der Bildungsreformprozesse mit besonderer Berücksichtigung von EFA, andererseits auf das veränderte EZA-Paradigma ein. Anschließend gibt es einen Überblick über die einzelnen Finanzierungsinstrumente, die in der BZA zur Unterstützung der Bildungsreformen zur Anwendung kommen. Es werden schließlich die Erfahrungen mit diesen Instrumenten bzw. die wesentlichen Argumente des Für und Wider zusammengefasst und besprochen.

In diesem Zusammenhang sei vorausschickend darauf hingewiesen, dass für einige dieser Instrumente noch keine bzw. nur wenig aussagekräftige Erfahrungswerte vorliegen. Dieser Einschränkung eingedenk, versucht das vorliegende Papier dennoch den derzeitigen Erfahrungs- und Wissensstand wiederzugeben.

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